Auf der imm in Köln waren im Januar wieder die neuesten Möbeltrends zu entdecken. Deutlich zu erkennen war auch, das Wohntextilien zu regelrechten Trendsettern werden. Dazu bilden sich offenbar zwei Lager: die Designer eines Retro-Glamour und des Slow Living. Die Ingenieure der Digitalisierung arbeiten dazu weiter am Smart Home. Ganz nebenbei stimmte ein Kleiderbügel besonders nachdenklich.

Deutlich zu erkennen war auf der imm cologne 2019 der Trend zur Entschleunigung – Slow Living lautet das globale Schlagwort. Die Möbelformen des letzten Jahrhunderts finden sich in Sofas, Sesseln und Couchtischen ebenso wie zeitlose und nachhaltige Materialien. Allen voran Holz, Marmor und Glas mit Akzenten aus Messing, Chrom oder schwarzem Metall. Dabei sind die Farben im Wesentlichen gedeckt, natürlich und ruhig in Braun-, Beige- und Graunuancen gehalten.

Auch Wolle, Filz, Cord, Samt und Leder sind gefragt und gestalten Betten und Sofas oftmals im Layering-Look mit vielen verschiedenen Kissen und Decken übereinander. Textilien bleiben auf dem Vormarsch und riesige Teppiche als auch Tapeten mit üppigen Mustern bestimmen die neue Wohnlichkeit.

Holz bleibt dabei das wichtigste Möbelmaterial, wird aber gerne kombiniert mit farbigem, oftmals schwarzem Metallgestellen und Naturstein, insbesondere Marmor. Dabei ist Massivholz wieder so angesagt wie nie, Verformungen, Risse und Astlöcher sind gewollt- es wird Natur zelebriert und gezeigt, dass es sich um ein Naturprodukt handelt.

Welchen Wert die Ressourcen der Natur für uns alle darstellen soll(t)en, thematisiert der 28-jährige Designer Michael Varga mit seinen “dialogreifen” Produktreihe “The Conscious Unconsciousness”, die im Rahmen des Pure Talents Contest 2019 auf der imm vorgestellt wurde.

Bei Varga stehen nicht Materialität, Produktion oder Ergonomie im Vordergrund, sondern der bewusste Umgang mit unserem Konsum. Heutzutage sei es aus Sicht des Designers, der an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart studiert, so einfach, billige Kleidung zu kaufen, ohne sich über die Ethik dahinter Gedanken zu machen.

In Vargas Arbeit tritt eine Kleiderbügel mit dem Menschen in einen Dialog, indem er die Kleidung auf den Boden wirft, die man längere Zeit nicht getragen hat. Der Kleiderbügel wird ergänzt durch einen Wasserhahn, durch den nur die Menge Wasser läuft, die durch Drücken eines Balls vorbestimmt wurde.

Ein “High-Five”-Lichtschalter erinnert schließlich daran, das Licht auszuschalten, wenn man den Raum verlässt.

“Das Projekt richtet sich gegen den Überkonsum und für das kritische Hinterfragen bestehender Gewohnheiten im Umgang mit Produkten. Ich interessierte mich für den Konsum von Wasser, Elektrizität und Kleidung und analysierte die Produkt-Peripherie dieser Bereiche, sowie Details, die den Überkonsum fördern”, erklärt der 28-jährige Designer.

Neben der Entschleunigung mit all ihren nachhaltigen und natürlichen Konzepten, Materialien und Farben gab es auf der imm 2019 auch einen Trend zum historischen Glamour zu beobachten: Edle Materialien wie Messing – glänzend oder mattiert – treffen auf buntes Glas, zum Teil auch mit Facettenschliff und Ornamentik.

Auch Chrom, Samt und gesteppte Stoffe unterstützen den wertigen Look des Midcentury Designs. Hier spielen klassische Farben eine Rolle, wie Cognac und dunkle Rot-, Grün und Blautöne, auch Violett und ein Altrosa. Neben den vielen supermatten Oberflächen erscheinen wieder Hochglanz-Akzente und spielen mit dem Kontrast in den Oberflächen.

Im Kontrast zu den Themen Nachhaltigkeit, Reduktion und Midcentury Glamour stehen Smart-Home-Trend und Digitalisierung, bei dem die Küchen den Ton angeben. Aber wir haben auch Betten gefunden, die durch Sprachkommando beim Aufstehen helfen. Hier treibt der demografische Wandel den Prozess der Technikintegration voran und letzten Endes wird umgesetzt, was mehr Komfort bietet oder schlicht und einfach einen Vorteil bringt, sei es Zeitersparnis, Sicherheit oder Gesundheit.

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