„Herzlich willkommen zum heißesten Programm des Jahres“, begrüßte Gastgeberin Katrin de Louw bei hochsommerlichen Temperaturen die Gäste im voll besetzten FURNITURE FUTURE FORUM. Beim diesjährigen Trendreport am 18. Juni standen aktuelle gesellschaftliche, gestalterische und technologische Entwicklungen auf der Agenda. Drei Keynotes eröffneten dabei unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft von Markenführung, Design und Wertschöpfung im Handel – und lieferten viele Denkanstöße für die Interior-Branche im Wandel.

Johannes Hofmann, Art Director und Berater von jh artwork, machte den Anfang der Keynotes im FURNITURE FUTURE FORUM. Sein Thema: KI-Transformation beginnt nicht mit Technologie, sondern mit Menschen.
Johannes Hofmann, Art Director und Berater von jh artwork, machte den Anfang der Keynotes im FURNITURE FUTURE FORUM.
Sein Thema: KI-Transformation beginnt nicht mit Technologie, sondern mit Menschen.

Johannes Hofmann: KI-Transformation beginnt nicht mit Technologie, sondern mit Menschen

Den Auftakt machte Johannes Hofmann, Art Director und Berater von jh artwork aus Hamburg. Unter dem Titel „AI FIT: In fünf Schritten zur erfolgreichen KI-Transformation“ zeigte er auf, wie Unternehmen den Einstieg in die Transformation mit Künstlicher Intelligenz erfolgreich gestalten können. Sein Ansatz: KI ist keine rein technologische Herausforderung, sondern vor allem eine organisatorische und kulturelle.

Der Mensch bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor

Als größte Herausforderung identifizierte Hofmann den Einstieg in die Transformation. Damit KI-Projekte erfolgreich verlaufen können, müsse ganzheitlich in die Organisation investiert werden. Nach einer Analyse der Boston Consulting Group entfallen lediglich rund 20 Prozent der Investitionen auf die technologische Infrastruktur und nur etwa zehn Prozent auf passende KI-Modelle. Rund 70 Prozent der erforderlichen Ressourcen müssten hingegen in Menschen, Prozesse und den kulturellen Wandel investiert werden.

„Die Mitarbeitenden sollen nicht trampen, sondern im Driver’s Seat sitzen“, fasste Hofmann zusammen. Gelinge es nicht, die Belegschaft mitzunehmen, drohe der größte Risikofaktor überhaupt: die Ablehnung zukunftsrelevanter Technologien innerhalb des Unternehmens.

Fünf Schritte zur erfolgreichen Transformation

Wie diese Potenziale gehoben werden können, erläuterte Hofmann anhand eines fünfstufigen Transformationsmodells:

  1. Ansehen – Prozesse detailliert dokumentieren und verstehen.
  2. Infrage stellen – Routinen analysieren und kritisch hinterfragen.
  3. Fantasieren – Prozesse neu denken und kreative Zukunftsszenarien entwickeln.
  4. Informieren – geeignete Tools, Technologien und Dienstleister identifizieren.
  5. Transformieren – die Umsetzung konsequent beginnen.

Welches Potenzial in diesem Ansatz steckt, zeigte Hofmann anhand eines Praxisbeispiels aus der Küchenindustrie. Für einen Hersteller wurde eine vollständig digitale Nutzungsumgebung entwickelt, die die Erstellung von Content erheblich vereinfacht. Im Vergleich zu klassischen physischen Produktionen lassen sich dadurch Zeit-, Kosten- und Ressourcenaufwand um bis zu 70 Prozent reduzieren.

„KI ist Chefsache“

Zum Abschluss machte Hofmann deutlich, dass KI keine Aufgabe einzelner Fachabteilungen sei. „KI ist Chefsache“, betonte er.

Gastgeberin Katrin de Louw mit Alina Schartner
Gastgeberin Katrin de Louw mit Alina Schartner

Alina Schartner: Zwischen Midimalismus, Emotional Design und neuer Sinnlichkeit

Im Anschluss lieferte Alina Schartner ein umfassendes Trendupdate von der Milan Design Week und nahm die Teilnehmer mit auf einen ebenso analytischen wie atmosphärischen Rundgang durch die unterschiedlichen Designviertel der norditalienischen Metropole. Als Design Consultant und Trend Forecasterin beobachtet und analysiert sie gestalterische Entwicklungen und ordnet diese in größere Zusammenhänge ein.

Dabei unterscheidet die Trendforschung zwischen Mikrotrends mit einer Laufzeit von ein bis zwei Jahren, Makrotrends mit einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren sowie Megatrends, die Gesellschaft und Märkte über mehrere Jahrzehnte prägen. Für Unternehmen sei es entscheidend, bewusst zu entscheiden, welchen Trends sie folgen wollen – und welchen nicht.

„Manche Trends kommen so sicher wieder wie das Amen in der Kirche“, erklärte Schartner. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kehrten bestimmte Motive regelmäßig zurück. Blumendekore, Streifen, Punkte sowie Themen rund um Essen und Trinken gehörten zu den klassischen Krisenmustern der Design- und Konsumwelt.

Die drei großen Designströmungen

Als die derzeit prägenden Stilrichtungen identifizierte die Trendexpertin drei große Bewegungen: Minimalismus, Midimalismus und Maximalismus. Während Minimalismus und Maximalismus die bekannten Pole zwischen Reduktion und Exzentrik markieren, versteht Schartner den Midimalismus als Verbindung zwischen beiden Welten. Hier werden Zurückhaltung und Opulenz bewusst miteinander kombiniert.

Über alle Stilrichtungen hinweg erkenne sie derzeit jedoch ein gemeinsames Leitmotiv: Design soll wieder stärker emotionalisieren. Im Mittelpunkt stehen echte Verbindungen, Kommunikation und menschliche Nähe. Dies zeigt sich in organischen Formen, weichen Linienführungen und einem insgesamt sinnlicheren Designverständnis.

Zunehmend spielen dabei auch multisensorische Ansätze eine Rolle. Düfte werden gezielt eingesetzt, um Räume emotional aufzuladen und Marken erlebbar zu machen. Gleichzeitig gewinnen Ornamente, verspielte Muster und dekorative Elemente wieder an Bedeutung.

Zum Abschluss ihres Vortrags unterstrich Schartner die besondere Bedeutung Mailands für die internationale Designszene: „Bei allen Herausforderungen und Schattenseiten gibt es keinen vergleichbaren Ort, an dem sich die internationale Designwelt in dieser Intensität trifft, austauscht und diskutiert. Mailand ist und bleibt die Welthauptstadt des Designs.“

Den Schlusspunkt des Trendreports setzte Angelika Schindler-Obenhaus mit ihrem Vortrag „Preiskampf, Verdrängung, Stillstand – was die Möbelbranche von der Modebranche lernen kann“
Den Schlusspunkt des Trendreports setzte Angelika Schindler-Obenhaus mit ihrem Vortrag
„Preiskampf, Verdrängung, Stillstand – was die Möbelbranche von der Modebranche lernen kann“

Angelika Schindler-Obenhaus: „Preiskampf bedeutet immer, dass zuvor Wert verloren gegangen ist“

Den eindrucksvollen Schlusspunkt des Trendreports setzte Angelika Schindler-Obenhaus. Unter dem Titel „Preiskampf, Verdrängung, Stillstand – was kann die Möbelbranche von der Modebranche lernen?“ analysierte die langjährige Handelsexpertin strukturelle Entwicklungen, die sie in mehr als vier Jahrzehnten Berufserfahrung aus unterschiedlichsten Perspektiven erlebt hat – vom Einzelhandel über Warenhäuser bis hin zu Verbänden und Markenorganisationen. Ohne Präsentationsfolien, dafür mit großer Klarheit und spürbarer Leidenschaft, hielt sie der Möbelbranche im FURNITURE FUTURE FORUM den Spiegel vor. Entsprechend aufmerksam verfolgte das Publikum ihre Ausführungen.

„Wenn die Veränderungsgeschwindigkeit außerhalb einer Branche schneller wird als innerhalb der Branche selbst, wird es kritisch“, erklärte Schindler-Obenhaus. Dann beginne ein Prozess des Kopierens, Replizierens und Absicherns. Was sich zunächst vernünftig und risikoarm anfühle, sei in Wahrheit häufig nichts anderes als die Verwaltung des Stillstands.

Wenn Relevanz verloren geht, bleibt nur noch der Preis

Dieses Muster lasse sich insbesondere bei Marken beobachten. Verlieren sie an Relevanz, bleibe häufig nur noch der Preis als Differenzierungsmerkmal. Die Folge seien Rabattschlachten, sinkende Margen und permanenter Preisdruck. „Preiskampf bedeutet immer, dass an anderer Stelle Wert verloren gegangen ist“, so Schindler-Obenhaus.

Vom Zukunftsbauer zum Vergangenheitsverwalter

Parallel dazu entwickelte sich der Einkauf zunehmend datengetrieben. Category Management, Kennzahlen und Analysen gewannen an Bedeutung, während Intuition, Trendgespür und persönlicher Kundenkontakt in den Hintergrund rückten. „Einkäufer sind in der Folge immer mehr zu reinen Konditionsmanagern geworden. Das gesamte Paradigma der Branche hat sich verschoben“, sagte Schindler-Obenhaus.

Aus Partnerschaft wurde Konkurrenz

Mit dem Aufstieg des E-Commerce veränderten sich die Kräfteverhältnisse erneut. Marken begannen zunehmend mit der Direktvermarktung und traten damit in direkte Konkurrenz zum Fachhandel. Dieser reagierte seinerseits mit einer Eigenmarken-Offensive und kopierte vielfach erfolgreiche Herstellermarken. „Aus Partnerschaft wurde Konkurrenz. Aus einer Win-win-Beziehung wurde Kannibalisierung.“

Die Verkaufsfläche ist Bühne – nicht Lager

Erfolgreiche Unternehmen müssten einen Weg zwischen Rendite und Trend finden. Die Verkaufsfläche sei dabei weit mehr als ein Ort der Warenpräsentation. „Die Verkaufsfläche ist die wichtigste Fläche überhaupt. Sie ist Bühne und kein Warenlager.“

Fazit: Ein Defizit an Emotionen

Zum Abschluss des „Trendreport“ zog Gastgeberin Katrin de Louw ein übergreifendes Fazit des Veranstaltungstages. „Nach diesen Vorträgen diagnostizieren wir mehr denn je ein Defizit an Emotionen – im Handel, im Design und entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“ Dass dieses Defizit immer sichtbarer werde, sei auch eine Folge der zunehmenden Digitalisierung und der allgegenwärtigen Präsenz von Künstlicher Intelligenz.

Gute Stimmung bei sommerlichen Temperaturen – am 18. Juni fand das FURNITURE FUTURE FORUM in Bünde statt.

FURNITURE FUTURE FORUM bleibt Impulsgeber für die Branche

Mit dem „Trendreport 2026“ bestätigte das FURNITURE FUTURE FORUM erneut den Anspruch, gemeinsam über den Tellerrand der Branche hinauszublicken und Orientierung in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen zu geben – und das seit nun fast 20 Jahren. Die zentrale Erkenntnis des Tages: Zukunft entsteht nicht allein durch Technologie, Prozesse oder Produkte, sondern vor allem durch die Fähigkeit, Emotionen, Relevanz und echte Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen.

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich bereits am 12. November 2026. Dann lädt das FURNITURE FUTURE FORUM zu den „MÖBELVISIONEN 2027“ ein. Auf der Agenda stehen erneut zukunftsweisende Entwicklungen für die Möbel- und Interiorbranche. Darüber hinaus wird erstmals die Sustained Color No. 10 vorgestellt – die neue Trendfarbe des COLORNETWORK, die als Impulsgeber für Design, Produktentwicklung und Markenkommunikation der kommenden Jahre dient.


Text: Auszug PM | Sascha Tapken